{"id":164,"date":"2021-01-02T21:44:45","date_gmt":"2021-01-02T20:44:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hans-posegga.org\/?p=164"},"modified":"2024-01-24T23:31:21","modified_gmt":"2024-01-24T22:31:21","slug":"30-jahre-im-musikstudio-fuer-die-fernsehmaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.hans-posegga.de\/?p=164","title":{"rendered":"30 Jahre im Musikstudio f\u00fcr die Fernsehmaus"},"content":{"rendered":"<p>Bild: Trixi-Tonstudio M\u00fcnchen Juni 1979 , Hans Posegga und Friedrich Streich\u00a0 (mit Tonmeister Schmidt?)<\/p>\n<p>Beitrag von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Streich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Friedrich Streich &#8211; Zeichentrickfilmer<\/a><\/p>\n<p>Es ist eine sehr lange, sehr fruchtbare und sch\u00f6ne Zusammenarbeit gewesen &#8211; ein Gl\u00fccksfall. Ich holte Hans Posegga f\u00fcr meine Filme mit der Maus in Studio, weil er schon 1961 f\u00fcr meinen ersten langen Film PAMPHYLOS, DER MANN MIT DEM AUTOTICK eine wundervolle stimmige Musik komponiert hatte. Zehn Jahre sp\u00e4ter zeichnete und produzierte ich die Filme mit einer orangenen Maus f\u00fcr die &#8222;Lach- und Sachgeschichten&#8220; des Westdeutschen Rundfunks. Diese Sendung &#8222;Lach- und Sachgeschichten f\u00fcr Fernseh-Anf\u00e4nger wurde sehr bald zur &#8222;Sendung mit der Maus&#8220;, offensichtlich, weil die Art und Weise dieser gezeichneten Figur die Zuschauer derart beeindruckte, da\u00df sie alle von der Sendung mit der MAUS sprachen. Und so gab die Maus der Serie fortan den Namen.<\/p>\n<p>Hans Posegga, wie gesagt, von Anfang an dabei, komponierte und spielte f\u00fcr weit \u00fcber 200 Spots die Musik, die pr\u00e4gend war f\u00fcr den unverwechselbaren Stil der Maus Filme, sp\u00e4ter auch f\u00fcr die Filme mit dem ELEFANTEN und der ENTE: Zu allererst aber komponierte er die Titel-Musik f\u00fcr die Sendreihe. Erste Fassung und zweite Fassung &#8211; die zweite ist geblieben, ber\u00fchmt geworden und bis heute zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>In den vergangenen 30 Jahren waren wir immer wieder und oft im Tonstudio, immer wenn ich wieder 5 oder 10 Filme gezeichnet und abgedreht hatte. Die Musik wurde stets zum fertigen Bild komponiert und aufgenommen, also erst hinterher. Die Arbeitsweise war ebenso einfach wie genial: Hans kam ins Studio und sah das erste Mal auf der gro\u00dfen Leinwand den fertigen Film, stumm, noch ohne Ger\u00e4usche und nat\u00fcrlich auch ohne Musik. Er lie\u00df sich vom laufenden Bild, von der Idee und ihrer Geschichte, die da erz\u00e4hlt wurde, vom Ablauf, Dramaturgie und von den Bewegungen der Figuren inspirieren, lie\u00df sich spontan eine Melodie, ein passendes musikalisches Motiv oder Thema einfallen, kritzelte Noten auf ein Blatt, improvisierte auf dem Fl\u00fcgel, Klavier oder Drahtklavier, (sp\u00e4ter auch auf dem Synthesizer), kontrollierte alles immer wieder im Einklang mit dem Bildablauf. Und wenn wir die Komposition f\u00fcr gut befanden, mu\u00dfte er sie absolut synchron und musikalisch exakt zum Bildablauf einspielen. Diese au\u00dferordentliche, ungew\u00f6hnlich schwierige Aufgabe schaffte er jedesmal auf bewundernswerte Weise, eine Arbeitsweise, die eine seltene Begabung erforderte.<\/p>\n<p>Sehr oft waren diese spontan vom Filmbild inspirierten Musiken aus meiner Sicht sofort zu verwenden. Sie waren einfach, stimmig und gut. Es eine intuitive Arbeitsweise &#8211; eine Einheit aus Bild und Musik! Hans aber schaute mich durch die Scheibe zur Regie nicht selten verst\u00e4ndnislos an, war unzufrieden mit der Aufnahme und wollte &#8222;mehr daraus machen&#8220; als nur eine &#8222;Illustration&#8220;, es war im Alles zu schlicht. Hans wollte immer &#8222;gro\u00dfe Musik&#8220; machen, &#8222;Symphonien, wie ich \u00fcberspitzt sagte. Und obwohl ich oft von der ersten Fassung \u00fcberzeugt war, habe ich ihn weiterspielen lassen, lie\u00df ihn die Melodie weiter entwickeln; eine zweite Begleitung kam dazu, eine dritte Stimme, er arrangierte die Melodie auf mehreren Spuren &#8211; und alles wurde dadurch kompliziert und komplizierter &#8211; und die sch\u00f6ne klare Melodie blieb auf der Strecke. Manchmal konnte man sie nicht mehr erkennen, alles war &#8222;zugedeckt&#8220;. &#8222;Hans&#8220;, sagte ich dann, &#8222;glaub mir, weniger ist mehr&#8220;. F\u00fcr meine kurzen, knappen Filme wollte ich einfache, klare Musik, so einfach und klar, wie die Spots selber waren. Also, keine sogenannte &#8222;gro\u00dfe Musik&#8220;, keine komplizierten &#8222;Symphonien&#8220; &#8211; nur diese einfach Musik, die Hans Posegga dann schuf, das war ja gerade die &#8222;gro\u00dfe Musik&#8220; von Hans Posegga! Am Schlu\u00df haben dann (wir: der Tonmeister, Charly Fugunt, der Cutter, Hans und ich) alle Aufnahmen zu einem Spot angeh\u00f6rt, synchron zum Bild. Und mit etwas Abstand, mu\u00df er es wohl selbst gemerkt haben, denn er meinte dann nur: &#8222;na gut, wenn du meinst, dann nimm halt die erste Fassung&#8220;. Wenn er dann die Spots im Fernsehen gesehen hatte, rief er mich manchmal nach der Sendung an und fand die Musik, seine Musik doch sehr stimmig und passend -und er war wieder zufrieden mit seinem Werk.<br \/>\nNat\u00fcrlich gab es auch Ausnahmen, lief manchmal nicht alles so rund. Bei manchen Spots mu\u00dften wir auch hart arbeiten, bis wir musikalisch das erreicht hatten, was uns vorschwebte. Da half nat\u00fcrlich die Musikalit\u00e4t, der gro\u00dfartige Melodien-Erfindungsreichtum von Hans Posegga ganz entscheidend weiter, denn er hatte ein untr\u00fcgliches Gef\u00fchl f\u00fcr erz\u00e4hlerischen Rhythmus. Und so haben wir immer eine gute L\u00f6sung gefunden. Genia war, wenn er meine Filmbilder sah und sofort den gleichen Rhythmus, das selbe Timing, intuitiv das gleiche Gef\u00fchl f\u00fcr die Musik empfand wie ich, als ich die Geschichte zeichnete und inszenierte. Diese geistige \u00dcbereinstimmung ist unerl\u00e4\u00dflich und au\u00dferordentlich wichtig f\u00fcr unsere kreative Filmarbeit. Ich hatte Gl\u00fcck, denn diese Sternstunden der Intuition trafen auch bei allen anderen Mitarbeitern zu, bei den Ger\u00e4uschemachern Heiner Harss und Joern Poetzl, bei meinem Cutter Charly Fugunt und bei den Tonmeistern der verschiedenen Tonstudios. Es war eine wunderbare \u00dcbereinstimmung und Erg\u00e4nzung &#8211; man mu\u00dfte nicht viel reden und erkl\u00e4ren, alle sahen die Bilder, verstanden die Idee hinter den Bildern und wu\u00dften, was gemeint ist, was &#8222;pa\u00dft&#8220;, wie es sein soll und mu\u00df &#8211; das ist reine intuitive Zusammenarbeit! Anders w\u00e4re die Zusammenarbeit f\u00fcr die Maus auch nicht vorstellbar und m\u00f6glich gewesen. Vielleicht liegt es auch daran, da\u00df etwas urspr\u00fcnglich klar geschaffen ist. Und daraus entstand sicher auch der lange Erfolg der MAUS-, ELEFANTEN- und ENTEN-Filme &#8211; bis auf den heutigen Tag. Denn alles Vortreffliche ist eben so schwierig wie selten.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter hat Hans auch ein Elefanten-Lied komponiert &#8211; und schlie\u00dflich auch noch ein Lied f\u00fcr die Ente, das er sogar selbst gesungen hat. Es ist noch nicht ver\u00f6ffentlicht, was nachzuholen w\u00e4re.<br \/>\nDie vielen sch\u00f6nen Kompositionen von Hans Posegga f\u00fcr meine kleinen Maus-, Elefanten- und Entengeschichten sind frisch geblieben wie am ersten Tag. Die Originalit\u00e4t und Qualit\u00e4t der Musik kann man heute noch \u00fcberpr\u00fcfen, jeden Sonntag morgen um 11.30 h, in der &#8222;Sendung mit der Maus&#8220; in der ARD. Diese Qualit\u00e4t gef\u00e4llt mir immer noch und bereitet mir immer wieder gro\u00dfe Freude. Vielen Dank, lieber Hans Posegga!<br \/>\nFriedrich Streich<br \/>\nZeichner, Regisseur und Produzent<br \/>\nder Fernsehmaus, Elefant und Ente<br \/>\naus der &#8222;Sendung mit der Maus&#8220;<br \/>\nM\u00fcnchen im Mai 2003<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild: Trixi-Tonstudio M\u00fcnchen Juni 1979 , Hans Posegga und Friedrich Streich\u00a0 (mit Tonmeister Schmidt?) Beitrag von Friedrich Streich &#8211; Zeichentrickfilmer Es ist eine sehr lange, sehr fruchtbare und sch\u00f6ne Zusammenarbeit gewesen &#8211; ein Gl\u00fccksfall. 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