{"id":162,"date":"2021-01-02T21:44:16","date_gmt":"2021-01-02T20:44:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hans-posegga.org\/?p=162"},"modified":"2024-01-24T23:27:30","modified_gmt":"2024-01-24T22:27:30","slug":"162","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hans-posegga.de\/?p=162","title":{"rendered":"Des Lebens Wagen &#8211; ein Oratorium von Hans Posegga"},"content":{"rendered":"<p class=\"papa\"><span style=\"font-size: small;\"><strong>Beitrag von Wilfried Koch &#8211; Dirigent<br \/>\n<\/strong><\/span><br \/>\nMeine Zusammenarbeit mit Hans Posegga ergab sich durch eine kurzfristige \u00dcbernahme des Dirigats seines gro\u00dfen Oratoriums &#8222;Des Lebens Wagen&#8220; Im Kloster Benediktbeuern. Die vorgesehene Dirigentin Alicia Munck war durch Mutterschaft ausgefallen. Die damalige Auff\u00fchrung fand in der ersten Fassung statt, w\u00e4hrend die sp\u00e4tere Fassung f\u00fcr Bozen vom Komponisten f\u00fcr gro\u00dfe Orchesterbesetzung erweitert wurde.<\/p>\n<p class=\"papa\">Nach dieser Auff\u00fchrung war eine Fernsehauff\u00fchrung im Teatron des Olympiagel\u00e4ndes vorgesehen. Proben daf\u00fcr waren alle bestens absolviert, das gro\u00dfe Chorensemble war bereits am Ort des Geschehens, s\u00e4mtliche \u00dc-Wagen der Fernsehtechnik waren in Stellung, als ein furchtbares Unwetter diese Open -Air Produktion unm\u00f6glich machte. Kurzerhand wurde die gesamte Mannschaft (gro\u00dfer gemischter Chor, Kinderchor, Jazzband, Orchester, sowie die vier Solisten) in den Kongre\u00dfsaal des Deutschen Museums umgeleitet, wo das Ganze konzertant, jedoch ohne Fernsehen stattfand.<br \/>\nZu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt erfolgte die Fernsehaufzeichnung in dem stimmungsvollen Rahmen der Klosterkirche von Benediktbeuern. Aber auch diese Auff\u00fchrung war nicht ohne Probleme, da wieder ein schweres Gewitter den Beginn verz\u00f6gerte. Das Publikum harrte geduldig aus und wurde spontan von einem der leitenden Patres des Klosters (Pater Dr. Leo Weber) \u00fcber die umfangreichen Kunstwerke der Kirche informiert.<\/p>\n<p class=\"papa\">Derweil wartete meine gro\u00dfe Mannschaft geduldig in der Sakristei und in den angrenzenden R\u00e4umen auf den Auftritt. Das war auch f\u00fcr den Komponisten ein gro\u00dfer Stre\u00df. Der Film wurde sp\u00e4ter im Bayerischen Fernsehen gezeigt &#8211; nat\u00fcrlich waren manche Bilder nicht mehr so, wie sie vielleicht im Olympia-Teatron h\u00e4tten sein k\u00f6nnen, n\u00e4mlich auf die Dramatik der Textinhalte zugeschnitten.<\/p>\n<p class=\"papa\">Einige Zeit danach pr\u00e4sentierte Hans Posegga eine auf gro\u00dfes Orchester erweiterte Fassung, die in zwei Konzerten mit dem Bozener Haydn Orchester in Bozen und Meran aufgef\u00fchrt wurde.<br \/>\nW\u00e4hrend in M\u00fcnchen stets das Symphonie-Orchester Graunke spielte und der Chor Musici Monacensis (Heinz Schmidtpeter) oder das Augsburger Vokalensemble (Riedl) die Chorpartien \u00fcbernahmen, mu\u00dfte nun die neue Fassung mit diversen S\u00fcdtiroler Ch\u00f6ren in der Endphase von Hans Posegga und meiner Person erarbeitet werden.<\/p>\n<p class=\"papa\">Wir mu\u00dften an mehreren Tagen in verschiedenen Orten zu Proben fahren, wobei Hans Posegga meist Klavier spielte und souver\u00e4n mit seiner &#8222;Riesenpranke&#8220; die komplexen Kl\u00e4nge und komplizierten Facetten des Partitur realisierte, w\u00e4hrend ich am Pult agierte. Das ging nun \u00fcber in die Orchestereinstudierung. Bei der Chorarbeit waren freundschaftlich zusammengewachsen, doch in der Berufsarbeit ist Freundschaft manchmal hinderlich, denn die Erarbeitung der neuen gro\u00dfen Fassung war nicht einfach. Die Probleme begannen damit, da\u00df sich das Orchester jede Zahl und jeden Takt ins Italienische \u00fcbersetzen lie\u00df, obwohl bekanntlich in S\u00fcdtirol fast jeder Deutsch sprechen kann (ich glaube, da\u00df es sich um eine staatliche Anordnung wegen einheitlicher Sprachregelung in Italien handelte).<\/p>\n<p class=\"papa\">Hans Posegga sa\u00df rechts vor dem Orchester an einem Tisch mit der Partitur und las sozusagen Korrektur. Jedes Mal wenn ich unterbrechen mu\u00dfte, weil etwas falsch notiert oder kopiert war (Fehler sind naturgem\u00e4\u00df in jeder Neuausgabe von Notenmaterial) mu\u00dften wir uns besprechen. Die Musiker gaben nie zu, sich vielleicht verspielt zu haben, sie antworteten stets: &#8222;No, no maestro, \u00e9 scritto!&#8220;<\/p>\n<p class=\"papa\">Hans Posegga wurde zusehends nerv\u00f6ser, was absolut verst\u00e4ndlich war, und das f\u00fchrte dann so weit, da\u00df er in seiner impulsiven, schnell aufbrausenden Art mir &#8222;Karajan-All\u00fcren&#8220; attestierte.<br \/>\nDennoch waren beide Konzerte gro\u00dfe Erfolge f\u00fcr den Komponisten, so wie f\u00fcr s\u00e4mtliche Ausf\u00fchrende.<br \/>\n\u00dcbrigens war ein ganz wichtiger Mitarbeiter der ambitionierte Pianist Kurt Wolf, der in aufopfernder Weise sehr viel Notenmaterial von Hans Posegga abgeschrieben, kopiert und geordnet hat, was f\u00fcr diese Neuausgabe von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung war.<\/p>\n<p class=\"papa\">Als ich Hans Posegga l\u00e4ngere Zeit sp\u00e4ter in M\u00fcnchen wieder traf und ihn fragte, ob das Kriegsbeil begraben sei, antwortete er treuherzig: &#8222;Mensch, das wei\u00df ich noch nicht,&#8220; und damit war alles wieder in Ordnung. Ich habe bewu\u00dft, diese kleine Randepisode geschildert, weil es auch ein wenig den empfindlichen, aber doch stets kommunikativen Hans Posegga schildert.<\/p>\n<p class=\"papa\">Es gab dann noch einmal eine Reprise, wieder mit vollkommen neuem Ensemble: f\u00fcr die gro\u00dfe Produktion in der Lukas Kirche in M\u00fcnchen war als Dirigent Cornelius Eberhardt mit seinem hervorragenden AIMS Orchester (aus Graz &#8211; American International Music Studies ) vorgesehen. Ch\u00f6re von Augsburg bis Alt\u00f6tting waren eingeteilt.<\/p>\n<p class=\"papa\">Ziemlich gegen Ende der Einstudierungsphase ist den Verantwortlichen ddoch die Schwierigkeit des Unternehmens klar geworden, Cornelius Eberhardt stieg aus, und so wurde mir in letzter Minute sozusagen, die chorische Gesamtverantwortung \u00fcbergeben, was letztendlich dazu f\u00fchrte, da\u00df mir auch das Dirigat \u00fcbertragen wurde. Auf diese Weise habe ich auch ein Mal das h\u00f6chst pr\u00e4zise arbeitende junge amerikanische Orchester von Cornelius Eberhardt leiten d\u00fcrfen, das ich bei meiner dreij\u00e4hrigen Mitarbeit bei AIMS oft geh\u00f6rt hatte.<\/p>\n<p class=\"papa\">Wenn ich bedenke, wie problembehaftet jede Produktion war, kann ich nur staunen, da\u00df Hans Posegga nie die Nerven verloren hat. und somit auch bei dieser bisher letzten Auff\u00fchrung einen gro\u00dfen pers\u00f6nlichen Erfolg erleben konnte.<\/p>\n<p class=\"papa\">Au\u00dferdem erscheint es mir wichtig und unbedingt erw\u00e4hnenswert, da\u00df Frau Mella Gentner vom Bayerischen Volksbildungsverband ein gro\u00dfer Mentor des Komponisten war und nat\u00fcrlich f\u00fcr die organisatorische Durchf\u00fchrung, sowie f\u00fcr alle Vorbereitungen von zentraler Bedeutung war.<br \/>\nIn Italien (Bozen und Meran) war es der unerm\u00fcdliche Karl Margraf. Auch den treuen Peter Lang m\u00f6chte ich nicht vergessen, der stets gewissenhat und unter den verschiedensten akustischen Bedingungen die Toneinspielungen betreute.<\/p>\n<p class=\"papa\">R\u00fcckblickend stelle ich fest, welch gro\u00dfe Bedeutung die Zusammenarbeit mit Hans Posegga in meinem Leben gespielt hat, desgleichen mit den vielen Beteiligten.<\/p>\n<p class=\"papa\">&#8222;Ein grandioses Welttheater, in dem der Gedanke der Vernichtung und der Erl\u00f6sung, der Niedrigkeit des Menschen, die Furcht vor H\u00f6lle und Tod, der Gedanke der Verlassenheit und die Hoffnung und der \u00fcberw\u00e4ltigende Lobpreis Gottes ein exemplarisches Denkmal erfahren.&#8220;<\/p>\n<p class=\"papa\">S\u00fcddeutsche Zeitung M\u00fcnchen zur Urauff\u00fchrung am 31. Mai 1981 in der Basilika zu Benediktbeuern.<\/p>\n<p class=\"papa\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beitrag von Wilfried Koch &#8211; Dirigent Meine Zusammenarbeit mit Hans Posegga ergab sich durch eine kurzfristige \u00dcbernahme des Dirigats seines gro\u00dfen Oratoriums &#8222;Des Lebens Wagen&#8220; Im Kloster Benediktbeuern. Die vorgesehene Dirigentin Alicia Munck war durch Mutterschaft ausgefallen. 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