{"id":266,"date":"2021-01-03T21:20:38","date_gmt":"2021-01-03T20:20:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hans-posegga.org\/?p=266"},"modified":"2024-01-24T23:31:36","modified_gmt":"2024-01-24T22:31:36","slug":"hans-posegga-der-junge-deutsche-film","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hans-posegga.de\/?p=266","title":{"rendered":"Hans Posegga &#038; der junge Deutsche Film"},"content":{"rendered":"<p>Bild: Peter Schamoni bei Dreharbeiten f\u00fcr <em>Schonzeit f\u00fcr F\u00fcchse<\/em><\/p>\n<p>(von Astrid Posegga)<\/p>\n<p>Die jungen deutschen Filmemacher traten in der Nachkriegszeit auf den Plan. Sie trafen sich in Schwabing im Lokal \u201aMeine Schwester und ich\u2019, auch im Hahnhof sa\u00dfen sie zusammen, a\u00dfen viel Brot, das es umsonst gab und tranken Wasser oder ein Glas Wein. Es waren die Br\u00fcder Ulrich und Peter Schamoni, Raimund Ruehl, Wolfgang Spieker, Boris Marangosoff, Vlado Kristl (\u201eDie Zerst\u00f6rung der Systeme\u201c) und andere. Auch immer am Tisch im \u201aHahnhof\u2019 der stets fr\u00f6hliche und ausgeglichene Wolfgang Urchs, der zauberhafte Zeichentrickfilme machte. <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Hans hat einige seiner Filme vertont.<\/p>\n<p>Auf der Leopoldstrasse hielten sie voller Stolz die Filmstreifen gegen das Tageslicht, um sich gegenseitig die neuesten gedrehten Szenen vorzuf\u00fchren. Im Kreis dieser jungen Filmemacher f\u00fchlte sich Hans sehr wohl und besonders mit Peter Schamoni verband ihn eine Freundschaft, die bis zum Lebensende dauerte.<br \/>\nAls Hans wieder einmal mit Herzbeschwerden im Krankenhaus lag, und auch noch mit finanziellen Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen hatte, kam Peter vorbei und legte anstelle von Blumen einen Scheck auf das Nachtk\u00e4stchen. Damit l\u00f6ste sich auch ein Teil der Herzbeschwerden von Hans.<br \/>\nSo war Peter, &#8211; auch wenn er manchmal arrogant oder unnahbar zu sein schien.\u00a0 F\u00fcr seine Mutter, Maria Schamoni, die nach dem Krieg und dem Tod ihres Mannes, ihre vier S\u00f6hne mit einfachen T\u00e4tigkeiten tapfer gro\u00dfgezogen hatte, war er immer da, verw\u00f6hnte sie, und dankte ihr auf diese Weise. Maria Schamoni kam oft, sie mochte Hans und kam gern zu uns, trug immer schneewei\u00dfe Kleidchen und sprach nie von ihrer b\u00f6sen Krankheit, Krebs. Sie starb daher f\u00fcr uns v\u00f6llig \u00fcberraschend 1984.<\/p>\n<p>Mit dem \u201aJungen deutschen Film\u2019 begann Hans Karriere als Filmkomponist.<\/p>\n<p>\u201eES\u201c war der erste gro\u00dfe Spielfilm von Ulrich Schamoni, produziert von Horst Manfred Adloff, einem phantasiereichen Unternehmer, Bildhauer, Filmproduzenten, der gerade eine Kunststoff-Firma in Bielefeld verkauft hatte und nun voller Schwung sein Geld in diese Filmproduktion steckte. \u00c4ngstlichkeit geh\u00f6rte nicht zu den Machern in den Jahren des Wirtschaftsaufschwungs. Mit Angst w\u00e4re sicher auch kein Wirtschaftswunder entstanden.<\/p>\n<p>Hans hat mit Peter Schamoni in den ersten gro\u00dfen Spielfilmen als Komponist und auch als Schauspieler gearbeitet. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> In dem Film \u201eAlle Jahre wieder\u201c spielte Hans einen Tierarzt und musste mit Sabine Sinjen tanzen, was ihm als Musiker besonders schwerfiel. Er bekam Tanzunterricht, der leider nicht lange vorhielt, denn mit mir hat er fast nie getanzt. Tanzen erschien ihm eine l\u00e4cherliche Besch\u00e4ftigung, zumal er immer im Geiste den Rhythmus der Musiker mitz\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Konkurrenz bestand damals zwischen den Br\u00fcdern Ulrich und Peter Schamoni, von denen jeder als erster mit einem Spielfilm auf den Markt kommen wollte. Ulli machte das Rennen mit dem Film \u201eES\u201c. Hans Posegga vertonte den Film.<\/p>\n<p>Es gibt eine Single von dieser Filmmusik, die damals im \u201aDomo Verlag\u2019 erschienen ist. Inzwischen wurde dieser Verlag mehrmals verkauft, und nun liegt die Musik bei \u201aKoch Universal\u2019, wo sie nicht weiter ausgewertet wird, weil dort auch ein \u201eHansi Hinterseer\u201c unter Vertrag ist. Das ist der Lauf der Dinge.<\/p>\n<p>Zitat: Plattencover<\/p>\n<p><em>\u201eSeit 1953 war Hans der meistbesch\u00e4ftigte Komponist der jungen deutschen Filmregisseure. Vertonte \u00fcber 200 Filme, die zum gro\u00dfen Teil experimentellen Charakter haben, unter anderen von Boris Borresholm, Bodo Bl\u00fcthner, Hans Ertl, Rob Houwer, Ferdinand Khittl, Robert Menegoz, Raimund Ruehl, Peter Thomas und Ulrich Schamoni, Franz Schedereit, Haro Senft,, Heinz Sielmann, Spieker und Wolfgang Urchs. Die vorliegende Platte bringt eine Auswahl heiterer Musiknummern (von Barock bis Twist), die nicht illustrativ, sondern meist kontrapunktisch zur Handlung der Spielfilme \u201eSchonzeit f\u00fcr F\u00fcchse und &#8222;Es\u201c eingesetzt sind\u201c. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em>So steht es auf dem Cover der Single zu dem Film \u201eES\u201c von Ulrich Schamoni und \u201eSchonzeit f\u00fcr F\u00fcchse\u201c von Peter Schamoni.Die jungen Filmemacher schlossen sich sp\u00e4ter im \u201aOberhausener Manifest\u2019 als \u201eJunger deutscher Film\u201c zusammen. Sie wollten ein neues Kino, wehrten sich gegen die Unterhaltungsfilme der Kriegszeit und Nachkriegszeit &#8211; \u201ePapas Kino\u201c &#8211; und fanden ihre Vorbilder in Frankreich und Italien.<br \/>\n\u201ePapas Kino\u201c wurde von Regisseuren, wie Ernst Marischka, gemacht, die sich dem Film als Unterhaltungsmedium widmeten. M\u00e4rchenfilme, wie \u201eSissi, das Leben einer Kaiserin\u201c oder der \u201eOpernball\u201c laufen immer noch,\u00a0 weltweit. Vom \u201ajungen deutschen Film\u2019 redet heute fast niemand mehr.<\/p>\n<p>Richtig war sicher, dass ein neuer Stil gefunden wurde, der schon in Italien zum \u201aNeorealismus\u2019 und in Frankreich zum \u201aCin\u00e9ma v\u00e9rit\u00e9\u2019 und weiter zur \u201aNouvelle vague\u2019 gef\u00fchrt hatte, und der f\u00fcr die jungen Filmemacher zum Vorbild wurde. Der als \u201erotes Tuch\u201c dienende Spielfilm \u201eDer F\u00f6rster vom Silberwald\u201c (Regie: Alfons Stummer) war urspr\u00fcnglich ein Dokumentarfilm \u00fcber die W\u00e4lder der \u00f6sterreichischen Familie Mayr-Melnhof, die gr\u00f6\u00dften Waldbesitzer der Steiermark.\u00a0Die Spielhandlung wurde in diese Bilder hineingeschnitten, um so eine Kinoauswertung zu erreichen.<\/p>\n<p>Mit Alfons Stummer, hatte Hans schon 1956 zusammengearbeitet. \u201eInsel unter der Faust\u201c, ein Film \u00fcber Sardinien, den Hans vertonte. Sehr sp\u00e4t, in den 80er Jahren haben die beiden noch einmal an einem Film \u00fcber die Venus von Willendorf \u201eVenus, Mutter der Erde\u201c gemacht.\u00a0 Alfons Stummer war inzwischen Professor an der Wiener Filmakademie geworden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHito-hito\u201c ein Dokumentarfilm von Hans Ertl fiel in diese Zeit. Auch dieser wurde von Hans vertont. Von der Musik wurde ebenfalls eine Single gepresst und in diesem Fall sogar Notenmaterial gedruckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Kurzfilm und der Industriefilm, die beide heute keine gro\u00dfe Rolle mehr spielen, waren in den 50er und 60er Jahren f\u00fcr die jungen Filmemacher ein Experimentierfeld.<\/p>\n<p>Die jungen deutschen Filmemacher, die \u201ePapas Kino\u201c f\u00fcr tot erkl\u00e4rt hatten, arbeiteten daher nicht mit den alten UFA Regisseuren zusammen, eine Filmhochschule gab es noch nicht. Einige hatten Germanistik, Philosophie oder Kunstgeschichte studiert, aber auch Juristen wie Alexander Kluge wachten eines Morgens als Regisseur auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die \u201eNouvelle vague\u201c aus Frankreich und Jean Luc Godard inspirierten die jungen Regisseure. Man drehte nicht mehr in Studios, M\u00fcnchens Strassen waren voller Filmteams, die Wohnungen der Mitwirkenden dienten als Drehort. 1966 wurde als das eigentliche Geburtsjahr des \u201aJungen deutschen Films\u2019 bezeichnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Haro Senft, Volker Schl\u00f6ndorff, Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge, Jean Marie Straub, Edgar Reitz, Werner Herzog waren die Regisseure des \u201aJungen deutschen Films\u2019, der langsam auch international wieder wahrgenommen wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Wolfgang Urchs<\/li>\n<li>Die Gartenzwerge 1962<\/li>\n<li>Kontraste 1964<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Maschine 1966<\/p>\n<p>Wolfgang Urchs \u201eHerr K\u00e9kul\u00e9, ich kenne Sie nicht\u201c.1967 GBF<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Filme mit Peter Schamoni<\/p>\n<p>\u201eDie widerrechtliche Aus\u00fcbung der Astronomie \u2013 Ernst Wilhelm Leberecht Tempel\u201c 1966<\/p>\n<p>Schonzeit f\u00fcr F\u00fcchse 1966 Filmband in Gold f\u00fcr die beste Filmmusik<\/p>\n<p>Max Ernst<\/p>\n<p>Alle Jahre wieder 1966<\/p>\n<p>Caspar David Friedrich 1986<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild: Peter Schamoni bei Dreharbeiten f\u00fcr Schonzeit f\u00fcr F\u00fcchse (von Astrid Posegga) Die jungen deutschen Filmemacher traten in der Nachkriegszeit auf den Plan. 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