{"id":301,"date":"2021-01-03T22:24:06","date_gmt":"2021-01-03T21:24:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hans-posegga.org\/?p=301"},"modified":"2024-01-24T23:27:01","modified_gmt":"2024-01-24T22:27:01","slug":"des-lebens-wagen-entstehungsgeschichte-des-oratoriums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hans-posegga.de\/?p=301","title":{"rendered":"Des Lebens Wagen &#8211; Entstehungsgeschichte des Oratoriums"},"content":{"rendered":"<p>( von Astrid Posegga)<\/p>\n<span class=\"image-placeholder video\" style=\"padding-bottom:18.75000000%\"><audio controls class=\"video-js-el vjs-default-skin vjs-minimal-skin wp-audio-shortcode\" src preload=\"auto\" style=\"width: 100%;\" data-vsetup=\"[]\" width=\"16\" height=\"3\"><source type=\"audio\/wav\" src=\"http:\/\/www.hans-posegga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/3-Titel-Oratorium.wav?_=1\" \/><\/audio><\/span>\n<p>Im Jahre 1980 wandte sich das Kloster Benediktbeuern an Hans Posegga wegen eines musikalischen Werkes, aufzuf\u00fchren anl\u00e4sslich des 30-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums der theologisch-philosophischen Hochschule. Veranlasst wurde diese Anfrage durch das bereits existierende Werk \u201eChrist und Antichrist\u201c sp\u00e4ter der \u201eSong vom lieben alten Gott\u201c.<\/p>\n<p>Der Bayerische Volksbildungsverband (BVV), hatte durch Frau Mella Gentner an der Urauff\u00fchrung (1978) im Kloster Neustift mitgewirkt, und so kam die Kunde von diesem Werk auch nach Benediktbeuern. Pater Direktor Josef Feuerlein trat an Hans Posegga heran, mit der Bitte eine \u201ekleine\u201c Komposition f\u00fcr das bevorstehende Jubil\u00e4um zu erarbeiten. Bereits 1971 hatte sich Pater Dr. Leo Weber an Hans gewandt, mit der Bitte, alle jene Texte aus den \u201eCarmina Burana\u201c geistlichen Inhalts f\u00fcr eine Vertonung zu sichten, die Carl Orff nicht beachtet hatte. Nach reiflicher \u00dcberlegung hat Hans diesen Vorschlag abgelehnt, da gegen die gro\u00dfartige und erfolgreiche Musik von Carl Orff und seine Auswahl der Texte eine weitere Auflage \u201eCarmina burana, geistlich\u201c wohl kaum eine Chance gehabt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>So schlug Pater Weber als Grundlage f\u00fcr ein solches Werk das Deckengem\u00e4lde im alten Barocksaal vor. Damit war der Grundstein f\u00fcr ein \u201egro\u00dfes Werk\u201c gelegt und die \u201ekleine\u201c Komposition war vom Tisch. Erst einmal, denn als es dann um die Finanzierung ging, war pl\u00f6tzlich doch wieder die Rede von der \u201ekleinen\u201c Komposition.<\/p>\n<p>Die Deckengem\u00e4lde des alten Barocksaals im Kloster umfassen Elemente aus dem Christentum, aus der griechischen Mythologie, laizistische Motive aus dem Jahreszeitenwandel, politische Anspielungen, wenn Jesus die bayerische Kurf\u00fcrstenkrone aufgesetzt wird. Ein vollbl\u00fctiges Barockwerk, den ganzen Kosmos beschreibend bis hin zum letzten Tor in die Ewigkeit, vor dem der Tod sitzt. Hans, ebenfalls ein barocker Mensch, war sofort fasziniert von dieser Idee und spannte den Bogen weiter bis in die zweite H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Damals war gerade die hei\u00df umstrittene Stationierung von Pershing Raketen im Rahmen des kalten Krieges auf der politischen Tagesordnung. Die Angst vor der Zerst\u00f6rung der Welt mit Atomwaffen ging um.<\/p>\n<p>So besingt das Oratorium die Sch\u00f6nheiten der g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfung und\u00a0 die Bedrohung eben dieser Sch\u00f6pfung durch den Menschen.<\/p>\n<p>Ein Knabenchor \u2013 hier die \u201aT\u00f6lzer S\u00e4ngerknaben\u2019 \u2013 singt nach dem count down mit hellen Kinderstimmen \u2013 und es l\u00e4uft einem kalt \u00fcber den R\u00fccken: \u201eHalt! Fahrt die Gesch\u00fctze nicht aus, wir haben nur ein Zuhaus, die Erde, unsere Erde\u2026\u2026\u2026\u201c<\/p>\n<p>Aus vorliegenden Unterlagen geht hervor, dass Hans den Bogen noch weiter spannen wollte und auch Texte aus dem Koran und dem Buddhismus einf\u00fcgen wollte. Doch entweder war den beratenden Patres Feuerlein und Weber dieser Bogen doch zu weit oder auch Hans empfand es als zu ausufernd, zu sehr als einen religi\u00f6sen Eintopf, der nach nichts mehr Wirklichem schmeckte, sondern eben von allem ein bisschen was enthielt und blieb dann bei Texten aus dem abendl\u00e4ndischen Kulturkreis.<\/p>\n<p>Pater Feuerlein unterst\u00fctzte Hans w\u00e4hrend dieser umfangreichen Arbeit, die er manchmal aus Verzweiflung hinschmei\u00dfen wollte. Die ganze Familie hat mitgelitten. Die finanziellen Schwierigkeiten am Ende f\u00fcr die Herstellung des Notenmaterials und die Bezahlung der umfangreichen Besetzung wurden ein wenig durch den Ministerpr\u00e4sidenten Franz Josef Strau\u00df und seine Frau Marianne gelindert.<\/p>\n<p>Auf einem Empfang der Filmbranche, der jedes Jahr von Franz Josef Strau\u00df im Antiquarium der Residenz veranstaltet wurde, sprach Hans den Ministerpr\u00e4sidenten in der Sache Benediktbeuern und dieses Oratorium anl\u00e4sslich des Jubil\u00e4ums an. \u201eSog\u2019ns des meiner Frau\u201c riet Strau\u00df und gleichzeitig \u201eGeh her Marianne, h\u00f6r dir das an!\u201c<\/p>\n<p>Marianne Strau\u00df lie\u00df sich detailliert informieren, und tats\u00e4chlich, als dann Pater Feuerlein um eine Unterst\u00fctzung f\u00fcr dieses Kulturereignis ansuchte, erhielt er Geld f\u00fcr die Urauff\u00fchrung in der Basilika in Benediktbeuern am 31. Mai 1981.\u00a0Strau\u00df\u2019 hervorragendes Personenged\u00e4chtnis bewirkte, dass er Hans im Jahr darauf von sich aus ansprach und fragte, ob das denn geklappt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Dr. Walter Flemmer, Kulturchef des Bayer. Fernsehens veranlasste eine Aufzeichnung dieser Auff\u00fchrung. Seither existiert eine Aufzeichnung im Bayerischen Fernsehen, die leider nicht das ist, was wir uns vorstellten, n\u00e4mlich eine genaue Einbindung des Bilderkatalogs aus dem alten Barocksaal des Klosters in die Musik. Es werden zu viele Geranien und Blumen im Hof gezeigt, die mit dem musikalischen Werk nichts zu tun haben. Hingegen fehlen die detaillierten Einlassungen auf den Bilderzyklus.<\/p>\n<p>Hans hat hier eine gigantische Besetzung in seiner Partitur vorgesehen. Gro\u00dfen Chor, Kinderchor, gro\u00dfes Orchester und eine Combo plus 4 Solisten. Diese Besetzung ist der Grund weshalb das Werk inzwischen nicht mehr auff\u00fchrbar ist, da die Kosten jeden Rahmen sprengen. Dirigentin bei der Urauff\u00fchrung war eine kleine zierliche Person: Alicia Munk. Sie hatte alles gut im Griff. Ich sehe sie noch vor mir. Sie trug eine schwarze Jacke mit weiten langen \u00c4rmeln, die ihrem zarten K\u00f6rper ein ausreichendes Gewicht geben sollten. Eine andere Form anspruchsvoller Vertonungen wurde an ihn herangetragen. Eine Filmemacherin aus Solln bei M\u00fcnchen, Gudrun Kern, produzierte kurze religi\u00f6se Filme f\u00fcr die Redaktion \u201eKirche und Welt\u201c im ZDF<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>( von Astrid Posegga) Im Jahre 1980 wandte sich das Kloster Benediktbeuern an Hans Posegga wegen eines musikalischen Werkes, aufzuf\u00fchren anl\u00e4sslich des 30-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums der theologisch-philosophischen Hochschule. Veranlasst wurde diese Anfrage durch das bereits existierende Werk \u201eChrist und Antichrist\u201c sp\u00e4ter der \u201eSong vom lieben alten Gott\u201c. 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